Tariflohn – ja, bitte!

Tariflohn – ja, bitte!

April 5, 2017
in Category: Blog
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Tariflohn – ja, bitte!

Gebäudereiniger Proclean setzt auf gutes Geld für motivierte Mitarbeiter. Geschäftsführer Florian Dietrich erklärt warum.

Herr Dietrich, was bedeutet für Sie moderne Gebäudedienstleistung?

Für mich heißt es, sich um alle Dienstleistungen, Pflege- und Hygienebedürfnisse der Kunden zu kümmern, mit hoher Qualität und zu einem angemessenen Preis. Der Kunde soll in einem sauberen Arbeitsumfeld seinen eigentlichen Aufgaben nachgehen können.

In diesem Bereich wird häufig neudeutsch von Facility-Management gesprochen, zählt Proclean auch zu diesen Unternehmen?

Nein, denn unter dem Begriff werden häufig jede Menge Dienstleistungen verkauft, die der Anbieter aber nur durch Subunternehmer leisten kann. Bei uns gilt: ,Schuster bleib bei deinen Leisten!‘ Wir bieten nur das an, was wir auch können – also im Kern die Gebäudereinigung.

Und die können Sie auch selbst?

Ich habe eine Lehre als Gebäudereiniger absolviert und die Meisterprüfung abgelegt. Ich kann selbst beurteilen, was möglich ist und was nicht. So kann ich bei Angeboten ,lebendige‘ Zahlen liefern. Wenn sich Unternehmen nach einem Gebäudedienstleister umsehen, was sollten sie beachten?

Sachkenntnis ist das wichtigste. Sitzt ihnen nur ein Vertriebler mit dicken Prospekten gegenüber, der für jede Fachfrage die Zentrale anrufen muss, würde ich abraten. Hat der Ansprechpartner das Handwerk gelernt, erkennt er die individuellen Anforderungen von selbst und kann diese in Zahlen ausdrücken. Ein Meistertitel kann auch ein Qualitätsmerkmal sein. Darüber hinaus wird häufig mit ,Kundennähe‘ und ,Flexibilität‘ geworben. Um das vereinbaren zu können, muss eine gewisse Mitarbeiterzahl vorhanden sein. Aber der Betrieb sollte nicht so groß sein, dass die Kunden zu Nummern werden.

Wie bietet Proclean dieses gesunde Mittelmaß?

Die Kundenbetreuung übernehme ich gemeinsam mit acht fachlich ausgebildeten Objektleitern. Dazu beschäftigen wir 550 geschulte Mitarbeiter – die meisten davon im Kernbereich, also in Göttingen, Oste rode, Herzberg, Northeim und Einbeck.

Wie gelingt es, so viele Kräfte vorzuhalten?

Proclean ist bemüht, möglichst jeden Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen. Die ,450-Euro-Jobs‘ sind aus meiner Sicht Gift. Oft werden diese in der Not angenommen, und sobald sich etwas Besseres ergibt, geht der Mitarbeiter. Ziel muss es aber sein, dem Arbeitnehmer eine langfristige Perspektive mit einem guten Lohn zu bieten. Deshalb befürworte ich auch den Tariflohn von neun Euro für die Gebäudeinnenreinigung. Er sollte aber auch überall, so wie bei uns, tatsächlich gezahlt werden. Dazu braucht es entsprechende Stundenzahlen und eine vernünftig kalkulierte Arbeitsleistung. Wir tun das, und schaffen so eine Arbeits- und Verdienstmöglichkeit, die uns viele engagierte und freundliche Mitarbeiter verschafft.

Warum ist das so wichtig?

Weil der Kunde nicht mich jeden Tag sieht, sondern meine Mitarbeiter. Und wenn diese zufrieden sind, macht sich das beim Kunden positiv bemerkbar. Außerdem senken wir die Fluktuation, die häufig ein großes Problem in der Gebäudereinigung darstellt. Ich erspare dem Kunden, dass er jeden Tag eine neue Kraft in seinem Haus begrüßen darf.

Wer sind Ihre Auftraggeber?

Zu 70 Prozent kommen sie aus der Industrie. Aber auch Lebensmittelmärkte, Verwaltungen, Kindergärten und Schulen sind dabei. Dazu kommen Arztpraxen, Altenheime, Schwimmbäder, Sporteinrichtungen oder ähnliches.

INTERVIEW SEBASTIAN KÖNIG vom Faktor Magazin